1945 – 1980

Gleich nach dem Krieg trat wieder das österreichische Feuerwehrgesetz in Kraft, die Funktionäre wurden wieder gewählt und die Tätigkeit der FF funktionierte mit Hilfe der heimgekehrten Männer bald wieder.

Sobald etwas Ruhe und Ordnung eingekehrt war, wurde mit dem Aufbau der FF begonnen. Die Handpumpen wurden repariert, Schläuche, Kupplungen, Sauger und Arbeitskleidung wurden beschafft, ein Wagner fertigte Räder für die Handspritzen an, 1947 konnte auch wieder eine Motorspritze angekauft und gesegnet werden.

Die Männer der FF Erdpreß haben dem Trend der Zeit Rechnung getragen und sowohl Ausrüstung, Ausbildung und auch Geräte immer wieder dem neuesten Stand angepasst, sodass der Bevölkerung im Ernstfall rasch und zielführend geholfen werden kann.

 

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Fiat AFN 

 

Einige Jahre hindurch wurde eine Fruchtsammlung durchgeführt (die „Körndlsammlung“ brachte immer höhere Beträge als eine Geldsammlung), die Jagdgesellschaft spendete einige Jahre hindurch ansehnliche Summen, die Gemeinde stellte einen entsprechenden Betrag zur Verfügung, sodass im Jahr 1955 das Kraftfahrzeug FIAT „AFN“, Baujahr 1932, angekauft werden konnte. Es musste umgebaut werden und wurde als Feuerwehr-Mannschafts- und Gerätewagen genehmigt (zugelassen für 14 Personen und ein tragbares Motorpumpenaggregat).

Im Rahmen des Bezirksfeuerwehrtages, der im Jahr 1955 in Erdpreß stattfand, wurde das Fahrzeug geweiht.

 

1962 wurde von der Firma Breitfeld eine neues Motorpumpenaggregat „VW-Automatik“ mit entsprechendem Zubehör und Schlauchmaterial gekauft.

 

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VW-Automatik 

 

1965 wurde dazu eine neuer Tragkraftspritzenwagen (TSW) angeschafft und eine neue Sirene wurde auf dem Zeughaus montiert. Diese Geräte wurden im Rahmen der Schuleröffnung am 20.6.1965 gesegnet. In einer Schauübung wurden sie der Ortsbevölkerung vorgeführt.

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Tragkraftspritzenwagen (TSW) 

Seit 1972, nach der Installation der Ortswasserleitung, kann Löschwasser aus den Hydranten entnommen werden. Früher lieferten der Bach und die Schwemme das erforderliche Wasser.

1973 war in NÖ die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Bei den Ortseinfahrten wurden auf der Straße Seuchenteppiche aufgebracht. Alle, die den Seuchenteppich passierten, mussten ihre Schuhe desinfi zieren. Männer der
FF kontrollierten dies vom 4. Juni bis 3. Juli.

Am 30.2.1976 lieferte die Fa. Breitfeld eine neue Schmutzwasserpumpe und die dazu notwendige Ausrüstung.

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren wurde fast jährlich ein Feuerwehrball veranstaltet, um Geld für die Anschaffung von Geräten zu lukrieren. Später nahm man die Musikkapellen für den Kirtag auf und leistete alle Arbeiten, die für die Veranstaltung des Kirtages notwendig waren, alles, um die Gemeindekasse zu entlasten und notwendige Ausrüstung anschaffen zu können.

Gründung

Im Mittelalter lag der Brandschutz in den Händen der Gemeinde. Jeder Gemeindebürger war verpflichtet, bei Löscharbeiten zu helfen. So heißt es im Banntaiding von Erdpreß (das Erdpresser Banntaiding ist eines der wenigen, das vollinhaltlich erhalten ist, es ist dies eine Sammlung von Richtlinien und Grundsätzen, nach denen im Mittelalter Recht gesprochen wurde):

Wer das Geschrei einer Feuersbrunst oder das Schlagen der Glocken (als Feueralarm) hört, er sei ledig(ohne Landbesitz) oder angesessen (besitzend), der soll sofort hinlaufen und retten helfen. Wer das nicht tut, ist straffällig an Leib und Gut. Wenn einer dem armen Mann, den das Feuer betroffen hat, von dessen Gut, es sei Gewand, Geld oder Geldeswert aufhebt und wegtragen sollte, den soll man für einen verbrecherischen Mann halten und so mit ihm verfahren, wie es einem solchen gehört.

Sehr wirksam konnte damals nicht geholfen werden, weil weder die für den Brandschutz notwendigen Geräte vorhanden waren und die Menschen auch nicht entsprechend geschult waren. Oft brannten bei Ausbruch eines Feuers viele Objekte nieder, manchmal ganze Häuserzeilen, weil die Dächer mit Stroh gedeckt waren. Aus diesen Anlässen wuchs aus der unorganisierten Nachbarhilfe immer mehr die Forderung nach der Gründung einer Feuerwehr. Heute ist das Feuer- und Brandschutzwesen in Gesetzgebung und Vollzug Landessache, die Durchführung wird von der Gemeinde vollzogen.

Die Freiwillige Feuerwehr Erdpreß wurde im Jahr 1884 gegründet.

Um die Gründung bemühten sich vor allem folgende Herren:

Oberlehrer Franz Wasinger
Johann Wiesinger, Nr. 51
Michael Wenzl, Nr. 59
Im Oberort in der Nähe des Gasthauses wurde das Zeughaus gebaut. Es bestand aus nur einem Raum und hatte folgende Abmessungen: 6,80 m x 6,30 m.
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Altes Zeughaus 

Tüchtige Hauptleute bzw. Kommandanten überlieferten seit dem Gründungsjahr eine Tradition der Hilfsbereitschaft für die Allgemeinheit.

Anton Bader war von 1926 bis 1939 Mitglied des Bezirksfeuerwehrkommandos, Würrer Ferdinand war von 1986 bis 1991 Unterabschnittskommandant.In der Gründungsversammlung im August 1884 wurde Johann Wiesinger zum ersten Hauptmann gewählt. Während man sich im ersten Jahr mit primitiven Hilfsmitteln begnügen musste – Löschkübel und eine Handpumpe standen im Vordergrund –, bemühte man sich recht bald um die Anschaffung zweckmäßiger Geräte, was in der kleinen und relativ armen Gemeinde nicht leicht war.

Aus den Erträgen einer Haussammlung, zu der jeder ohne Unterschied sein Scherfl ein beitrug, und durch eine Spende des damaligen Kaisers Franz Josef I. konnte die erste Feuerspritze im Jahre 1885 angekauft und gesegnet werden. Bald wurde auch ein zweites Gerät, der Hydrophor (Saugfeuerspritze), angeschafft.

Bis zum Ersten Weltkrieg gab es immer genug aktive Mitglieder. Von 1914 bis 1918 mussten die wehrfähigen Männer fast alle einrücken, und es waren nur junge Burschen und alte Männer, die bei der FF Dienst machten.

Im Jahre 1920 fand das erste Mal seit dem Bestehen der FF Erdpreß der Bezirksfeuerwehrtag in Erdpreß statt, wobei unsere Wehr allgemein Lob und Anerkennung fand.

Im Jahre 1924 ging ein lang gehegter Wunsch der FF Erdpreß in Erfüllung. Zum vierzigjährigen Gründungsfest wurde eine Feuerwehrfahne geweiht. Fahnenmutter war Elisabeth Kainz, Gattin des Mühlenbesitzers Erdpreß Nr. 65, Fahnenpatin war Helene Piringer, Gattin des Oberlehrers. Die von Anton Bader gehaltene Festrede wurde mit großem Beifall aufgenommen.

 

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Feuerwehr um 1935 

 

 

Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland wurden alle Freiwilligen Feuerwehren aufgelöst und in Pfl ichtfeuerwehren umgewandelt. Kommandant und andere Funktionäre wurden nicht wie bisher frei gewählt, sondern vom Landrat (dem Bezirkshauptmann gleich) ernannt. Das Kommando der FF Erdpreß blieb das alte, alle Funktionäre wurden vom Landrat wieder ernannt.

1939, als schon der Zweite Weltkrieg ausgebrochen war, wurde die erste Motorspritze angekauft (wahrscheinlich eine der ersten in unserer Umgebung).

In der Schulchronik findet man im Jahr 1941 darauf einen Hinweis, dass die FF Erdpreß schon zu Beginn des Krieges ein Auto hatte. Es war ein offener Mannschaftswagen, den der Fleischermeister Georg Becher der FF geschenkt hatte. Dieses Fahrzeug war das erste Auto im Dorf.

War es schon im Ersten Weltkrieg schwer, die Tätigkeit der FF aufrecht zu erhalten, so war es in der Zeit des Zweiten Weltkrieges noch viel schwieriger, denn in diesem Krieg von 1939 bis 1945 mussten noch viel jüngere, kaum der Schule entwachsene Jungen und noch viel ältere Männer einrücken als im Ersten Weltkrieg. Um die Feuerwehr schlagkräftig zu erhalten, zog der Kommandant alle Mädchen ab dem 16. Lebensjahr zum Feuerwehrdienst heran. Sie haben mit großer Freude und mit Eifer ihre Pflichten erfüllt.

Ab dem Jahr 1943 überflogen viele britische und amerikanische Flugzeuge in großer Höhe unser Gebiet Richtung Wien, um dort ihre Bombenlast abzuwerfen.

Im Jahre 1944 wurde auch Erdpreß angegriffen. Das Stallgebäude des Hauses Erdpreß Nr. 60 (Neller) wurde von Tieffliegern in Brand geschossen. Bei Ausbruch des Feuers, es waren keine Männer anwesend, fuhren die Mädchen mit den Geräten aus, lokalisierten den Brand und retteten die benachbarten Gebäude. So bewahrten sie das ganze Dorf vor großem Schaden. – Und dies alles angesichts des Todes, denn während der Rettungsarbeiten wurde Erdpreß noch immer von Tieffliegern mit Maschinengewehren beschossen.

Im Jahre 1945 wüteten und plünderten Soldaten der Roten Armee so wie in Häusern und Höfen auch im Zeughaus der Feuerwehr. Die Motorspritze, der Stolz der Wehr, wurde verschleppt, die Handpumpen wurden mutwillig zerstört, die Räder wurden abmontiert und weggebracht, sämtliche Uniformen und Ausrüstungsgegenstände waren weg. Die Feuerwehr stand buchstäblich wie bei der Gründung derselben vor dem Nichts.